Kleine Schluchten
Ideenbörse zur Erlebnispädagogik
 

 

 
Schattentheater in der Mädchengruppe 
 
Ein ästhetisches Bewegungsprojekt 

Das Schattentheater ist eine sehr alte Form des darstellenden Schauspiels und arbeitet mit einer Lichtquelle, die auf eine durchscheinende Projektionsfläche (Leinwand) gerichtet ist, hinter der das Publikum sitzt. Die Objekte, Gegenstände oder auch die menschlichen Körper, die zwischen der Lichtquelle und der Leinwand agieren, erzeugen auf diese Weise für das Publikum sichtbar schwarze, flächige Schattenbilder auf der Projektionsfläche. 

Der Körper wird dabei reduziert auf Umrisse, nur flächige, eindimensionale Schattenflächen werden sichtbar. Vorteil ist es, daß die Körper der Akteurinnen nicht offen-direkt vor das Publikum treten, sondern nur anonym-indirekt. Zwar ist er als Individuum erkennbar, die Leinwand schirmt ihn aber einerseits ab, da sie den Bühnenraum abgegrenzt, andererseits ist die Leinwand aber auch gleichzeitig Spiegel für die Mädchen, da die projezierten Schattenbilder sowohl auf der Außen- wie auch auf der Innenseite der Leinwand zu erkennen sind. Dies bedeutet, daß alle Darstellungen für die Mädchen direkt zurückgespiegelt und damit für sie auch beobachtbar und kontrollierbar werden. 

Das Projekt Schattentheater bietet im ästhetisch-präsentativen Bereich die Möglichkeit, auch ohne weit entwickelte körperliche Ausdrucksfähigkeit mit wenig frustrationstoleranten Gruppen szenische Bilder zu gestalten. Anderseits bietet das Schattentheater über die eigentliche ästhetisch-präsentative Körperarbeit hinaus auch die Chance, handwerkliche Arbeitstätigkeiten zu integrieren. In Verbindung mit dem Bau der Leinwand und der Herstellung von Requisiten und Verkleidungen wird das Schattentheater so zu einem ganzheitlichen Lernfeld, in dem verschiedene Tätigkeiten und Fertigkeiten gefragt und aufeinander bezogen sind.

Ein Kurzbericht eines Projektes:
Wir begannen in Kleingruppen damit, aus Dachlatten und Nesselstoff die Leinwand zu bauen und einige Requisiten herzustellen. Auf diese Weise wurden die Mädchen vielschichtiger und umfassender gefordert und dabei auch mit Tätigkeiten konfrontiert, wie Sägen, Bohren, Schrauben etc., die ihnen eher fremd waren. Diese ermöglichten ihnen grenzerweiternde neue Erfahrungen zu machen und zum anderen ist so nebenbei auf kostengünstige Weise die notwendige Ausrüstung für das Schattentheater hergestellt und für nachfolgende Gruppen damit zur weiteren Verfügung gestellt worden. Die meisten Mädchen hatten großen Spaß an diesen Arbeiten, und der stetig zu sehende Fortschritt motivierte sie in dieser Phase für die nun noch folgende Bewegungsarbeit. Kaum stand die Leinwand und der Diaprojektor war an, experimentierten die Mädchen mit ihren Schattenbildern und führten aus dem Stehgreif einige kurze szenische Sequenzen auf. Bei diesen ersten Versuchen stellten sich bereits kleine Erfolge ein und die Mädchen und wir waren gespannt auf die weitere Entwicklung des Projektes. Nachdem der Einstieg in den Kleingruppentreffen so positiv verlaufen war, nutzten wir die Herbstfreizeit in einer Waldhütte dazu,gemeinsam mit den Mädchen ein Programm zu erarbeiten, welches am letzten Abend aufgeführt werden sollte. Die Mädchen hatten sich für ihren Auftritt schon vorher entsprechende Musik ausgewählt oder sich Gedanken um die einzelnen Szenen gemacht, so daß es nun darum ging, durch Proben und Einstudieren die Darstellung zu verfeinern. Da aufgrund des Platzmangels in der Hütte immer nur eine Kleingruppe proben konnte, mußten sich die anderen Mädchen in der Zeit außerhalb beschäftigen und die Spannung, was die anderen wohl erarbeiten würden, stieg. Innerhalb der Kleingruppen war die Stimmung sehr vertrauensvoll und unterstützend, da jede mal in der Rolle der Darstellerin, Regisseurin, Tonmeisterin etc. war. Die einzelnen Programmpunkte wurden kommentiert, Verbesserungsvorschläge gemacht und natürlich beklatscht.

So entstand am letzten Abend ein tolles, abwechslungsreiches Programm , das mit viel Aufregung und Spaß auf die Leinwand gebracht wurde. Je nach Lust und Fähigkeit, Intro- oder Extrovertiertheit der einzelnen Mädchen waren Guildo Horn, die Stadtklinik, Striptease, Bauch-Operation mit ungewöhnlichen Entdeckungen und eine Geburt die Höhepunkte des Abends, denen begeistert applaudiert wurden.Gerade durch die sehr unterschiedlichen Programmpunkte wurde den Mädchen deutlich, wie verschieden sie sind und wie wichtig es ist, trotzdem von den anderen akzeptiert und unterstützt zu werden und die Leistungen jeder einzelnen anzuerkennen.

über den/die Einsender/in: Anja Krukewitt war Sozialpädagogin und langjährige Mitarbeiterin in der Mädchengruppe der "Erlebnis- und Erfahrungskurse" der AWO in Kassel
Absender:  Anja Krukewitt, Kassel
 Logo:  
 URL:  
 e-mail:
 Datum:  06.03.2000


 

Links     Ideen-Börse

zurück zur Startseite

Impressum/Kontakt

    Texte
  Forum     Beteiligung  
    Videos/
Bücher